Island

Nach Monaten des Fieberns war es Ende August soweit – mein zweiter Trip um den Erdball geht los und der erste Stop stand schon lange fest: Island. Der Wecker riss meine Mutter – die mich auf dieser ersten Etappe begleitet – schon viel zu früh aus dem Bett und vier Stunden Flug später war es soweit: Ich stand am Keflavik Aiport in der Schlange um unseren Mietwagen abzuholen.

Ankommen ging auch schon mal besser

Und diese Schlange sollte auch noch für gut zwei Stunden das Einzige sein, das wir von Island zu sehen bekommen. Es sollte sich allerdings noch als Glücksfall rausstellen, dass wir zufällig ein kostenloses Upgrade von einem Allrad-Kleinwagen auf einen richtigen Geländewagen bekommen haben.

Endlich im Auto angekommen geht es auch schon los Richtung Reykjavik – unsere Homebase für die nächsten sechs Tage. Die Strecke vom Flughafen in die Stadt ist zwar gut vierzig Kilometer lang aber noch nicht sehr spannend – die karge Mondlandschaft ist zwar anfangs sehr exotisch, der Reiz verfliegt aber schnell. Nach einiger Zeit wundere ich mich ob die Schwärmereien von der beeindruckenden Natur Islands übertrieben sein könnten?

Spoiler: Nein. Definitiv nicht.

Im Guesthouse angekommen die nächste Ernüchterung – einchecken geht erst nach 15 Uhr. Also besorgen wir uns erstmal einen Kaffee, erkunden die nähere Umgebung ein wenig und beschließen, einfach direkt die erste Wanderung zu starten. Unser Ziel: Die Esja, Reykjaviks persönlicher „Hausberg“.

Nur zwanzig Minuten entfernt parken wir bei einem Café und beginnen den Aufstieg – der ziemlich schnell ziemlich steil wird. Kein Wunder, der Berg ist über 900m hoch und unser Parkplatz lag nur wenige Meter über dem Meeresspiegel. Mit einer Wanderlänge von ca drei Kilometern kommt man da schon ins Schwitzen. Ganz nach oben sind wir allerdings nicht gegangen aber auch kurz unter der Spitze war die Aussicht die Strapazen bereits wert und die erste Wanderung in Island kann als Erfolg verbucht werden.

Zurück im Guesthouse dann die zweite Ernüchterung: Unser Zimmer liegt in einem normalen Wohnhaus das seine besten Jahre bereits hinter sich hat. Aber Platz ist genug, das Wasser ist (schon fast zu) heiß und für die Woche ist es vollkommen in Ordnung.

 

Wasserfälle, Vik und zurück

Meine Nachbarn aus München sollten nur einen Tag nach uns in Island ankommen und nett wie ich bin habe ich angeboten, sie vom Flughafen abzuholen. Daher hatten wir am zweiten Tag auch einen Termin am Nachmittag und haben unsere Aktivitäten daran angepasst. Auf dem Plan stand daher ein Trip über die Ring Road nach Vik am südlichen Ende Islands und zurück.

Auf dem Weg waren bereits einige Sehenswürdigkeiten zu finden, unter anderem zwei beeindruckende Wasserfälle.

In Vik selbst waren dann noch zwei andere Freunde von mir am Campingplatz (ist eigentlich ganz München aktuell in Island oder was ist da los?!) und wir haben uns zusammen den schwarzen Strand angeschaut. Zum Flugzeugwrack aus dem zweiten Weltkrieg, das dort am Strand zu sehen ist, haben wir es aus Zeitgründen leider nicht geschafft.

Abends habe ich meine persönliche Tradition fortgeführt und bin noch ins Kino gegangen – Ben Hur. Kein Film den man gesehen haben muss aber dafür sehr bequeme Sessel zu einem äußerst happigen Preis. 🙂

 

Mehr Wasserfälle!

In Island gibt es viele Wasserfälle – die wollen besichtigt werden. Also ging es nach einer kurzen Konsultation von Doktor Google auf Richtung Norden zum Hraunfossar – eine Sammlung von kleinen Wasserfällen die direkt aus dem Lavagestein zu entspringen scheinen.

Der Weg dorthin war von Sonnenschein gesäumt – bis auf einen kleinen Abschnitt wo man mal eben fünf Kilometer in einem Tunnel unter dem Meer ein Fjord durchquert. Die letzten Kilometer wundern wir uns dann wo jetzt hier etwas sehenswürdiges sein soll. Selbst auf dem Parkplatz sind zwar Wasserfälle zu hören aber nix zu sehen. Kaum läuft man allerdings fünfzig Meter weiter kommt man aus dem Staunen nicht mehr raus – ein Ereignis das sich noch öfter wiederholen sollte.

Da wir uns für den Tag schon Wasserfälle aufs Programm geschrieben haben ging es auch direkt weiter und das nächste Ziel war der Glymur – bis 2011 noch Islands höchster Wasserfall mit beinahe 200m. Die Strecke dorthin führt an einem wunderschönen, in der Sonne funkelnden Fjord entlang bis zu einem Parkplatz – der bereits komplett voll ist weswegen wir uns der Reihe an Autos am Straßenrand anschließen.

Der Aufstieg zum Glymur ist ein richtiges kleines Abenteuer. Hat man den unspektakulären Anfang hinter sich gelassen klettert man zuerst mal durch eine kleine Höhle ins Bett eines Baches den man danach gleich auch noch überqueren darf – Brücke? Fehlanzeige!
Als Hilfsmittel stehen ein Baumstamm und ein Drahtseil über demselbigen zur Verfügung. Das treibt das Adrenalin direkt in die Höhe. Auch die nächsten Kilometer sind teilweise nichts für schwache Nerven.

An einer tiefen Felsspalte entlang geht es immer weiter nach oben, teilweise wie am Klettersteig mit einem Seil zur Unterstützung. Der Ausblick ist sowohl in die Spalte als auch zurück in die Landschaft, aus wir gekommen sind, immer wieder atemberaubend. Relativ weit oben angekommen wird mit jedem Höhenmeter der Blick auf die rauschenden Wassermassen besser aber in diesem Fall muss ich sagen – der Aufstieg selbst ist das eigentliche Highlight da es eine tolle Mischung aus Anstrengung, Spaß und Abenteuer ist.

Nachdem nun Damian, Cornelius und die anderen vom Tag davor in Reykjavik angekommen sind wollten wir noch das Nachtleben ein wenig auschecken. Leider geht es auch hier erst sehr spät los und erst gegen Mitternacht füllen sich die Bars langsam. Das Bier schlägt dabei mit gut acht Euro zu Buche, feiern in Reykjavik ist also – wie alles andere auch – kein günstiges Vergnügen. Nach einem kurzen Abstecher in die Schwulenbar Kiki – die definitiv die beste Stimmung und Musik bot – ging es auch wieder zurück ins Bett / Zelt, die Tage im Urlaub sind schließlich anstrengend. 🙂

 

Der goldene Kreis

Eine der bekanntesten Attraktionen für Islandtouristen ist der sogenannte Golden Circle. Auf dieser Route reiht sich ein Naturschauspiel ans nächste und man kann innerhalb eines Tages viel von den typischen Besonderheiten Islands erleben. Sonntag haben wir uns entschlossen, uns auf den Weg zu machen – dank Mietwagen konnten wir uns die sehr teuren Touren natürlich sparen und selbst bestimmen, wo wir lang fahren.

Erster Stop war der Thingvellir Nationalpark. Bereits hier wurde klar, dass die Beschreibungen nicht übertrieben sind – auf dem Golden Circle sind wahnsinnig viele Touristen unterwegs und diese werden natürlich auch entsprechend zur Kasse gebeten. Neben der Tatsache, dass ein Kaffee hier gerne 100 Kronen mehr als an anderen Orten kostet musste man auch für die Parkplätze bezahlen.

Dafür konnten wir einen kleinen Wasserfall (endlich mal einer!) begutachten, das erste Parlament Islands sowie die Silfra Spalte – eine Felsspalte mit wundervoll klarem Wasser. Die ist auch der Grund dafür, dass man sich in diesem Park vor Tauchern in acht nehmen muss, die die Straße überqueren.

Als nächstes ging es direkt weiter zum Gullfoss. Wie die Endung -foss schon zeigt handelt es sich auch hier wieder um einen Wasserfall – und was für einer! Hier kam das Prinzip „Du weißt nicht, was hinter der nächsten Ecke lauert“ voll zum tragen. Noch auf dem Parkplatz habe ich mich gewundert, wo da nun eine Sehenswürdigkeit sein soll aber ca hundert Meter weiter (immer den Menschenmassen hinterher) kam ich aus dem Staunen nicht mehr raus. Seht euch einfach die Bilder an, das kann man schlecht beschreiben.

Dritter Stop im Golden Circle war der Geysir – der ursprüngliche Geysir von dessen Namen unser Wort abstammt! Leider ist eben dieser nicht mehr aktiv, glücklicherweise ist allerdings direkt daneben der Strokkur der brav alle paar Minuten seine heiße Wasserfontäne in den Himmel schleudert. Ein beeindruckendes, unvorhersehbares Schauspiel, das leider nur wenige Sekunden andauert. Die Unvorhersehbarkeit ist auch der Grund, warum unzählige Kameras die ganze Zeit auf den Strokkur gerichtet sind um ein Foto davon zu ergattern. 🙂

Als letzten Stop auf unserer Tour habe ich noch von einem etwas unbekannteren Tipp gelesen: Gjain. Nach einer wahnsinnig holprigen Offroadpiste – wärend der ich plötzlich sehr glücklich über unser Upgrade zum Geländewagen war – ging es auf einen Parkplatz und ca zwei Kilometer durchs Gebüsch. Am anderen Ende erwartete uns dafür ein wunderschönes kleines Naturgebiet mit Wasserfällen, Felswänden und idyllischen kleinen Bächen – man könnte meinen wir wurden nach Mittelerde ins Land der Hobbits verschlagen!

Heiße Quellen

Nun waren wir schon so lange in Island und nicht ein mal in einer heißen Quelle (von unserer Dusche mal abgesehen). Also machten wir uns Montags früh auf den Weg nach Hveragerði von wo aus der Aufstieg zum Reykjadalur beginnt. Die Distanz sind nur drei Kilometer – Höhenmeter werden aber einige zurückgelegt.  Auch an diesem Tag haben wir wieder wundervolles Wetter erwischt weswegen wir die Strapazen gerne in Kauf genommen haben – oben wurden wir dann von einem dampfenden Fluß erwartet, der sich durch ein grünes kleines Tal schlängelt. Als beliebter Touristenpunkt – nur eine halbe Stunde von Reykjavik entfernt – wurde hier auch ein wenig vorgesorgt weshalb es Holzstege und kleine „Umziehecken“ gab (schüchtern sollte man trotzdem nicht sein). Der Fluß war wahnsinnig warm und im Sonnenschein war es mehr als entspannend darin – nach den vielen Wanderungen und dem kalten Wind der letzten Tage eine Wohltat!

Nachmittags ging es noch gemütlich durchs nahegelegene Einkaufszentrum und für mich eine Runde ins Fitnessstudio – schließlich ist mein Ziel Australien und für den Strandkörper muss noch was getan werden.

 

Die Blaue Lagune

Eine weitere Attraktion Islands ist die sogenannte Blaue Lagune, eine heiße Quelle ganz in der Nähe des Flughafens. Für einen happigen Eintrittspreis von 75 Euro kann man hier das heiße Wasser in einer sehr entspannten Atmosphäre genießen und das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen – daher haben wir uns den Besuch hier als krönenden Abschluss aufgespart.

Der Pool ist wirklich sehr groß, die Wassertemperatur ist an verschiedenen Stellen unterschiedlich von lauwarm bis teilweise sehr warm und auch das ist sehr entspannend – vor allem wenn einem der kalte Wind um die Ohren weht.

Der Preis ist allerdings schon sehr happig. Nochmal würde ich vermutlich nicht reingehen, das Geld investiere ich dann lieber in ein Tagesticket in der Therme Erding. Aber für das Erlebnis definitiv einmal das Geld wert.

 

Am letzten Tag ging es dann für meine Mutter schon früh morgens wieder Richtung Deutschland während mein Flieger mich erst um 17 Uhr Richtung New York bringt. Deshalb sitze ich hier jetzt auch in einem kleinen Café und schreibe diese Zeilen um euch auf dem Laufenden zu halten. Der nächste Post wird dann bereits aus dem Big Apple erscheinen.

Abschließend kann ich sagen: Island ist eine Reise mehr als wert! Die Landschaft ist unglaublich und eine Woche ist definitiv zu wenig! Den Osten der Insel muss ich wohl ein andermal noch erkunden.

PS: Die noch fehlenden Bilder von den heißen Quellen werden eingefügt sobald ich dazu komme meine GoPro anzuschließen. 🙂

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