Neuseeland bereisen – Nordinsel

DSC02776Nach fünf relativ langweiligen Tagen in Auckland war es dann endlich soweit: Der Moment auf den ich monatelang gewartet habe war da und das Reisen konnte beginnen. Schließlich besucht man Neuseeland wohl kaum für die schönen Städte sondern für die unglaublichen Landschaften. Es wurde also Zeit, rauszufinden, ob es stimmt, was man sich über eben jene erzählt.

Tag 1: Zuwenig Zeit

DSC02781Nach frühem Aufstehen mache ich mich mit dem Airbus auf den Weg zum Flughafen und organisiere ein Shuttle das mich zur Autovermietung bringt. Eine kurze Einweisung und etwa 1100 Dollar später sitze ich am Steuer eines alten, umgebauten Toyota Vans auf dem Weg zurück zum Flughafen, wo Felix seine ersten Schritte auf neuseeländischem Boden macht. Kurz die Taschen in den Stauraum, das verlorene Parkticket suchen (und nicht finden – glücklicherweise hat der Parkwächter ein Herz und gibt uns eins als Ersatz) und schon befinden wir uns auf dem Weg zu unserem ersten Ziel: Cape Reinga.

DSC02883Der nördlichste Punkt Neuseelands ist etwa 450km entfernt, sollte also doch gut in knapp sechs Stunden bis zum Sonnenuntergang erreichbar sein.
Pustekuchen! Als es langsam dunkel wird und wir uns immer noch mindestens 150km vom Ziel entfernt befinden merken wir, dass man in Neuseeland deutlich mehr Zeit auf den Straßen einplanen muss. Die engen Kurven bergauf und bergab überall sorgen dafür, dass man selten schneller als 70km/h fährt und natürlich halten wir auch alle paar Minuten kurz an um Bilder von der atemberaubenden Landschaft zu schießen.

DSC02871Für die erste Nacht entscheiden wir uns daher für eine Campingmöglichkeit in Kerikeri wo auch schon die nächste Überraschung wartet. Ging ich bisher in der Annahme, dass man für Übernachtungen im eigenen Van vielleicht zehn Dollar zahlt lerne ich nun, dass die Campingplätze nicht viel günstiger als billige Hostels sind. Achtzehn Dollar pro Person später stehen wir aber dann auf unserem Platz und beginnen die erste Nacht im Auto.
Wie warm es auf der Nordinsel noch ist merken wir dann auch nur wenige Tage später…

Tag 2: Heißes Wasser auf der Halbinsel

Den nächsten Tag beginnen wir früh morgens schon kurz vor Sonnenaufgang. Nach Aufwachen, Duschen und Sachen für die Weiterreise zusammenpacken traut sich die Sonne langsam über den Horizont und wir machen uns auf den Weg zurück nach Süden. Das Ziel für heute: Coromandel Peninsula.

DSC03028Der Weg zurück nach Auckland verläuft relativ unspektakulär – von einigen spektakulären Ausblicken im Licht der aufgehenden Sonne mal abgesehen. In Auckland selbst legen wir dann eine kleine Pause ein, hungrige Mägen werden mit einer Pizza von Dominos gestopft und Felix deckt sich noch mit etwas Ausrüstung für unsere geplanten Wanderungen ein – sehr gute Entscheidung wie sich später rausstellt.

Auf unserem Weg nach Westen ist der erste Stop der Hot Water Beach. Aus dem Namen kann sicherlich der eine oder andere von euch schon Ableiten, dass es hier nicht um einen erfrischenden Sprung ins kühle Nass geht. Gräbt man hier an der richtigen Stelle im Sand (welche aufgrund duzender Menschen sehr einfach zu finden ist, siehe Bilder) fließt Wasser aus einer heißen Quelle in die selbstgegrabene Grube und man kann sich dadurch sein eigenes warmes Entspannungsbecken ausheben. Isst man davor noch eine ordentliche Portion Bohnen ist sogar eine Whirlpoolfunktion möglich… aber ich schweife ab.

Einige Stunden Fahrt später wiederholen wir den Fehler von Tag 1 und sind bei Sonnenuntergang noch nicht annähernd am geplanten Ziel. Wir suchen uns also im Dunkeln einen Campingplatz in Coromandel Town (22 Dollar! Wird immer schlimmer!) und verbringen hier die nächste Nacht im Auto.

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Tag 3: Von Hobbits und wie sie leben

Wieder ein Tag der vor Sonnenaufgang beginnt um die Ausblicke zu genießen. Kilometerweite Hügellandschaften, Morgennebel hängt in den Tälern wie Watte und die Sonne beleuchtet alles in unwirkliches Licht. Dafür lohnt sich frühes Aufstehen definitiv.

DSC03130Nachdem wir die Tour um die Coromandel Halbinsel beendet haben machen wir uns auf den Weg Richtung Matamata. Noch nie gehört? Wir auch nicht.
Das ist allerdings das Örtchen, an dem sich die Farm der Familie Alexander befindet. Na, klingelts jetzt? Nein? Kein Problem.
Diese Farm wurde kurz vor der Jahrtausendwende von Peter Jackson auserkoren, der Wohnort der Hobbits – das schöne Hobbiton – zu werden.

Als wir ankommen haut uns der Führungspreis (und ohne Führung geht es leider nicht, da sich der Drehort auf Privatgelände befindet) erstmal vom Hocker: Fünfundsiebzig Dollar! Da Hobbiton vor meiner Abreise das einzige must-see war, das ich mir gesetzt hatte (vom Rest wollte ich mich überraschen lassen) beißen wir aber nun die Zähne zusammen, bezahlen und verbringen einige Minuten im Souvenirshop um uns die Zeit bis zur nächsten Führung zu vertreiben.
Wer möchte nicht 45 Dollar für einen billigen Druck einer Mittelerdekarte ausgeben? Oder 30 Dollar für das „No Admittance, party business only“ Schild? Oder lächerliche 900 Dollar für einen Elbenumhang?
DSC03170In einem der Tourbusse geht es zuerst einige Minuten an verdorrten Feldern entlang – Dürreperiode. Unser Tourguide Sam (ja, er wird oft Samweis genannt!) erzählt uns die ersten Anekdoten der Filmarbeiten, Verhandlungen und ähnlichem und wird uns die ganze Tour über mit Humor und interessanten Geschichten unterhalten. Beim Spaziergang durch das Hobbitdorf gibt es – dank traumhaftem Wetter – genug Gelegenheiten für Fotos während Sam uns erzählt, wie der Baum über Frodos und Bilbos Hobbitloch für 1,2 Millionen Dollar für die Hobbit Trilogie künstlich aus Metal und Plastik nachgebaut werden musste um den gleichen Look zu haben.
Etwa 45 Minuten später kamen wir am letzten Punkt der Tour an, dem Green Dragon Inn, einem eigens für die FIlme gebauten Pub in dem jeder noch ein kostenloses Getränk (ebenfalls eigens für das Pub von einer lokalen Brauerei gebraut) bekommt. Insgesamt definitiv ein teurer Spaß aber ich bin sehr überrascht, dass ich die 75 Dollar als gute Investition betrachte.

Während eines Zwischenstops in Rotorua – bekannt für seine natürlichen Schwefelquellen – gönnen wir uns etwas Entspannung im Polynesian Spa. Entspannendes Baden in schwefelhaltigen Quellen mit Ausblick über den Lake Taupo – so lässt es sich leben. Aufgrund der Wanderpläne für den nächsten Tag entscheiden wir uns abends dafür, uns ein Hostelbett nahe der Wanderroute zu gönnen.

Tag 4: Nebel in Mordor

Für heute steht großes auf dem Plan: die berühmte Tongariro Alpine Crossing. Einer der berühmtesten Tagesmärsche im Tongariro National Park und zufälligerweise auch der Drehort für die Mordorszenen und Mount Doom (in Wirklichkeit Mount Ruapehu).

DSC03241Als eher unerfahrene Wanderer haben wir uns gut vorbereitet mit Wasser, Essen, Sonnencreme und warmen Klamotten. Die 19,4km lange Strecke über die Bergkette wird auf den Wegweisern mit etwa sechseinhalb Stunden angegeben, manche Reiseführer sprechen auch von gut acht Stunden, wir fürchten also das schlimmste für uns.
Nach einem eher entspannten Spaziergang durch relativ karge Gebiete geht es nach kurzer Zeit immer steiler bergauf. Hier bin ich dann für die herrschenden Wetterbedingungen mit Wolken und Nebel relativ dankbar – im prallen Sonnenschein wäre ich schlicht geschmolzen. Mit wenig Reden (dafür habe ich keinen Atem übrig) geht es Richtung Spitze und mit jedem Meter werden die Aussichten trotz Nebel atemberaubender. Weite goldene Flächen, die schwarzen Hänge Mt Dooms und zerklüftete Berglandschaften.

DSC03310Nach überraschend kurzer Zeit erreichen wir mit dem Red Crater schon den höchsten Punkt der Wanderung. Ab hier geht es größtenteils bergab, teilweise sehr steil und gefährlich. Hier wären mir richtige Wanderschuhe deutlich lieber gewesen als meine abgelaufenen Laufschuhe aber auch diesen Part überstehe ich ohne Brüche und Verletzungen.
Auf dem Plateau kommen wir an unglaublich blauen Schwefelseen vorbei und die Ausblicke bleiben absolut unwirklich. Nach einer Weile geht es dann Richtung Ketetahi Hut in weiten Serpentinen abwärts. Es gibt wirklich nichts schlimmeres als mit einer vollen Blase und der rettenden Toilette in etwa 100 Metern Luftlinie immer im Blick in riesigen Kurven zwei Kilometer Strecke zurückzulegen – dafür war die Erleichterung dann umso größer.

Die letzten Stunden der Wanderung geht es weiterhin bergab, teilweise durch karge Landschaften, teilweise über hunderte Stufen durch einen Urwald – die Variation dieser Route ist unglaublich. Nach ziemlich genau fünf Stunden erreichen wir bereits den Zielparkplatz und lassen uns von einem Shuttlebus (lächerliche dreißig Dollar… Schnäppsche) zurück zum Anfang karren, wo unser Auto steht.
Zurück in Taupo gönnen wir uns wieder ein Hostelbett um uns von den Strapazen des Tages zu erholen und bereiten uns innerlich auf das nächste Highlight des Trips vor…

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Tag 5: 45 Sekunden freier Fall

Beim Aufwachen habe ich ein flaues Gefühl im Magen. Dieses Gefühl wenn man kurz davor ist, was unglaublich dummes zu tun und es genau weiß – und trotzdem tun wird. In diesem Moment weiß ich noch nicht, dass dieser Tag eines der Highlights meines Neuseelandaufenthalts wird.

Nachdem Auschecken und einem kleinen Frühstück machen wir uns auf den Weg zum Flughafen in Taupo. Die netten Mitarbeiter geben uns eine Einführung, zeigen uns einen kleinen Film und regeln die Formalitäten. Wir bekommen Overalls, Mützen und Plastikbrillen und werden in Gurtzeug gepackt. Unsere Instruktoren erklären uns nochmal worauf wir zu achten haben, dann wird das Flugzeug voll gepackt (und ja, ich meine VOLL gepackt – Felix hatte das Vergnügen an der Ausstiegsluke auf dem Boden zu sitzen) und 3650 Meter höher wird die Luke geöffnet.
Dieses flaue Gefühl von dem ich vorher gesprochen habe? An dieser Stelle fühlt es sich an als hätte ich ein schwarzes Loch im Magen das mich einsaugen möchte. Hans, mein Instruktor aus Holland, kennt aber keine Gnade, wir bewegen uns Richtung Ausstiegsluke und meine Füße hängen im Freien. Ein kurzes Lächeln für die Kamera und er befördert uns aus dem Flugzeug.

Die ersten zwei oder drei Sekunden sind dieses Gefühl des unerwarteten Fallens, das Hirn denkt einfach nur Oh mein Gott, was zur Hölle ist hier los?. Danach genießt man einfach den Fall, grinst den Kameramann an, der um einen rumfliegt, genießt die Aussicht und viel zu kurze Zeit später wird der Fallschirm geöffnet und eben erwähnter Kameramann rauscht davon.
1617662_1136558133027506_790606190_oLangsam geht es dann im Gleitflug tiefer bei traumhaftem Sonnenschein und kilometerweiter Sicht über den Lake Taupo und die Umgebung. Hans lässt mich sogar selbst hin und wieder die Steuerung übernehmen und auch die Landung auf festem Boden verläuft problemlos.

Wer noch nie einen Skydive gemacht hat, go for it! Es ist unmöglich in Worte zu fassen aber das Gefühl des freien Falls ist absolut unglaublich und es war garantiert nicht mein letztes Mal!

Nachdem wir unsere Fotos und Videos abgeholt haben machen wir uns auf den Weg nach Wellington, wo wir das Wochenende bei zwei Freunden von mir verbringen. An diesem Tag geht es abends zum feiern, ansonsten passiert aber nicht mehr viel (nach so einem Start wäre es aber auch schwer zu steigern gewesen).

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Tag 6: Good ol Welly

Nach ordentlichem Ausschlafen (einer der Vorteile, wenn man mal nicht um zehn Uhr früh Auschecken muss) schauen wir uns Wellington ein wenig an. Das Wetter ist nicht unbedingt atemberaubend weshalb wir einige Sachen im Freien auslassen, legen jedoch einen Stop in Miramar bei der Weta Cave ein. Der Workshop und das Museum des Special Effects Studios bieten eine Tour (natürlich nicht umsonst – aber auch hier bezahlen wir wieder zähneknirschend die zwanzig Dollar). Auch hier sind wir glücklicherweise wieder positiv überrascht, die Tour ist zwar sehr kurz aber interessant und bietet humorvolle Einblicke hinter einige Filme mit einigen Hands-On-Vergleichen von Plastik und Metall. Optisch kaum zu unterscheiden merkt man spätestens am Gewicht klar warum nicht mehr Metall verwendet wird.

Abends geht es natürlich wieder zum Feiern, in diesem Fall das Reinfeiern in meinen Geburtstag. Im Hinterkopf schwebt die Fähre, die um acht Uhr morgens ablegen wird und zu welcher wir uns nach ausgiebigen zweieinhalb Stunden Schlaf begeben. Knapp anderthalb Stunden Warten später (Motorschaden an der Fähre) befinden wir uns dann auf dem Weg Richtung Südinsel, der ich dann (mindestens) einen eigenen Post widme.

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