Neuseeland bereisen – Südinsel

DSC04226Nach unserem Trip über die Nordinsel ging es dann also mit der Fähre Richtung Südinsel. Dank eines Motorschadens und der damit verbundenen Verzögerung von etwa anderthalb Stunden kamen wir gegen Mittag in Picton bei strömendem Regen an (hab ich wirklich was anderes an meinem Geburtstag erwartet?).

Tag 7: Regen

Das wundervolle Wetter an diesem Tag gepaart mit ausschweifenden drei Stunden Schlaf führt zu nicht der besten Reisestimmung. Relativ ruhig geht es daher über den Queen Charlotte Drive Richtung Nelson wo wir die Nacht verbringen wollen. Auf der Fahrt bemerke ich ein kleines Leck im Dach wo es reintropft, in Nelson suchen wir uns also (mal wieder) ein Hostel und finden gerade noch so zwei Betten – aufgrund des kürzlichen Sturms sind fast alle Hostels ausgebucht.
Zu großen Erkundungstouren lädt das Wetter auch nicht ein weshalb wir uns für einen Kinobesuch entscheiden – The Monuments Men, nicht schlecht, aber auch kein Kracher – und den Abend dann früh ausklingen lassen um den fehlenden Schlaf nachzuholen.

Tag 8: Willkommen in Murchison

DSC03450Morgens sieht die Welt zwar immer noch grau und trüb aus, wechselt aber dann glücklicherweise schnell zu blauem Himmel und Sonnenschein. Nach einiger Zeit kommen wir am Abel Tasman Nationalpark an und entscheiden uns, einen der Great Walks zumindest mal anzutesten. Die nächsten 6km geht es also an der Küste an wunderschönen Sandstränden, durch Urwald und an türkisblauem Meer entlang (und natürlich auch wieder zurück). Absolut schönes Gebiet und bei diesem Wetter sicher ein Traum, dort vor der Küste mal vorbeizupaddeln. Beim nächsten Besuch vielleicht 🙂

DSC03503Zurück auf der Straße entscheiden wir uns für einen Abstecher zu Harwoods Hole – dem tiefsten senkrechten Höhlenschacht auf der Südhalbkugel. Auch hier führt wieder ein kurzer Track durch den Wald zum eigentlichen Ziel. Nach etwa 20 Minuten kommen wir an einer Art Steinbruch an, klettern über große Felsen Richtung Öffnung (Sicherungen gibts hier keine, es ist also Vorsicht angesagt. Wieder bereiten meine abgelatschten Laufschuhe mir ein leichtes Kribbeln im Bauch).

Die Zeit schreitet voran und wir schauen uns langsam nach einem Platz für die Nacht um. In der Karte auf der Reiseführer entdecken wir Murchison und auch auf einem Straßenschild ist es mit knapp 130km Entfernung angeschrieben – scheint also ein größerer Ort zu sein. Knapp zwei Stunden später kommen wir am Campingplatz dort an, sichern uns unseren Stellplatz und machen uns auf den Weg in die Stadt für eine Runde Billard (der Campingplatz liegt etwas außerhalb). Gemütlich fahren wir also so die Straße entlang und nach einem Blinzeln meint Felix „Warte mal, ich glaube wir sind grade durch Murchison durchgefahren“. Die 130km entfernte Stadt stellt sich als 500 Einwohner Dorf raus – immerhin bietet das örtliche Café wirklich einen Billardtisch. Einige Spiele später geht es auch schon zurück zum Campingplatz und ins Auto um für den nächsten Tag fit zu sein – die nächste Wanderung steht an.

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Tag 9: Immer weiter hoch

Heute beginnt wie ein richtiger Tag anfangen soll. Felix bemerkt, dass er seinen Laptop vermutlich im Hostel in Nelson liegen lassen hat und wir warten auf einem Parkplatz auf den Rückruf vom Hostel ob was gefunden wurde, bevor wir die 150km umsonst fahren. Klug wie ich bin lasse ich dabei die Zündung an um mein Handy zu laden und vergesse, die Scheinwerfer auszumachen. Nach einer knappen Stunde ruft das Hostel zurück, dass sie nix gefunden haben (der Laptop war nämlich in seinem Rucksack, nur eben nicht in der Hülle!) und als ich den Zündschlüssel drehe kommt außer einem sehr kränklichen Rattern… nichts.
Autobatterie leer. Wir stellen uns also an die Straße und halten Autos für Starthilfe an. Zu unserer Überraschung hält etwa jedes dritte Auto an (unter anderem auch ein voller Reisebus!), jedoch hat natürlich niemand Starterkabel dabei. Knapp fünfzehn Minuten später haben wir aber Glück, kriegen das Auto an und weiter gehts zu den Nelson Lakes.

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Nach einigem Suchen finden wir den Mount Roberts Carpark, der den Start für den gleichnamigen Rundkurs über die Spitze des Bergs und an Lake Rotoiti entlang markiert. Wenige (steile) Meter durch den Wald nach oben öffnet sich der Track zu einem Zick-Zack-Kurs am Berghang entlang nach oben. Die Wanderungen am Tag davor und schlechter Schlaf hinterlassen ihre Spuren und wir quälen uns den Berghang hoch, komplett außer Atem trotz starkem Nebel und relativ kühlen Temperaturen fließt der Schweiß in Strömen.
Als der Nebel dann langsam nachlässt, die Sonne rauskommt und wir den steilen Aufstieg hinter uns lassen merken wir, dass es das wert war. Ein umwerfender Ausblick über die Seenlandschaft bietet sich vom Gipfel. Der Abstieg ist zwar wesentlich angenehmer, trotzdem vergeht mir die Lust kurz vor Ende ganz gehörig da ich den ganzen Morgen nichts gegessen habe und dann die Erschöpfung und den Kalorienmangel deutlich zu spüren bekomme.

Eine Portion Reiskekse später geht es zurück auf die Straße und weiter Richtung Süden für den nächsten Stop zum Übernachten: Westport. Hier gönnen wir uns nach den Strapazen des Tages erstmal ein geradezu ausschweifendes Abendessen und fallen dann mal wieder todmüde ins Bett – beziehungsweise Auto.

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Tag 10: OH MEIN GOTT, SCHAU DIR DAS AN!

DSC03755Dieser Tag bietet nicht viel, das man in Worte fassen kann. Wir verbringen quasi den kompletten Tag im Auto um etwas Strecke gut zu machen, da wir das Wochenende in Queenstown verbringen wollen. Unterwegs die Westküste entlang bieten sich einfach nur unglaubliche Ausblicke die wir auf Film (beziehungsweise Speicherkarte) bannen müssen. So dauert ein kleiner Fototermin hier und da auch mal schnell eine halbe Stunde.

Viele Kilometer später kommen wir an unserem Schlafplatz für die Nacht an: Franz Josef (Nein, kein niederbayrischer Aussteiger der hier ein Einsiedlerleben führt, der Ort heißt so!). Im Rainforest Retreat finden wir den mit Abstand coolsten Campingplatz unserer Reise: Alle Stellplätze sind in einem großen Gebiet zwischen Regenwäldern untergebracht. Nicht zu teuer und es ist viel geboten, sehr cool. Alles in allem ein langweiliger Tag was Geschichten angeht, dafür visuell umso spektakulärer.

Tag 11:  Gletscher im Regenwald

DSC03956Den Start heute macht der gleichnamige Gletscher zum Ort: Franz Josef Glacier. Nach einem kurzen Spaziergang durch den Urwald öffnet sich die Landschaft zu einem gigantischen Tal an dessen Ende man noch die Ausläufer des gigantischen Gletschers sehen kann. Bei seiner Entdeckung reicht der Gletscher fast bis zum heutigen Parkplatz, inzwischen dauert es eine gute Stunde Fußmarsch um ihn zu erreichen. Etwas komisch fühlt es sich allerdings an, in kurzen Hosen und T-Shirt auf einen Gletscher zuzulaufen (na ja, ein bisschen frisch ist es auch :)).

Auf dem Weg weiter nach Süden schauen wir uns (aus der Ferne) auch noch kurz den zweiten Gletscher – den Fox Glacier – an, fahren aber dann auch weiter da wir abends in Wanaka übernachten wollen. Unterwegs bieten sich immer wieder spektakuläre Ausblicke, vor allem als wir die beiden Seen erreichen, zwischen denen Wanaka liegt. Der Campingplatz ist relativ langweilig, bietet aber (vor allem morgens) wundervolle Ausblicke über den See, in dem sich die Sonne spiegelt.

Abends wollen wir eigentlich auf eine Runde Billard in eine Bar, entscheiden uns aber dann spontan für einen Kinobesuch im Paradiso – einem relativ bekannten Kino hier. Bequeme Couches und anderes Inventar anstelle der normalen Kinositze (unter anderem auch ein Teil eines VW Käfers, der das Kino zum Autokino werden lässt) machen das zu einem Erlebnis und auch der Film – Non-Stop mit Liam Neeson – ist sehr cool. Danach geht es doch noch zu ein paar Runden Billard bevor wir uns dann wieder ins Bett hauen, am Wochenende ist schließlich Party in Queenstown angesagt.

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Tag 12: Ich dachte das wäre größer…

DSC04093Von Wanaka nach Queenstown sind es nur knapp siebzig Kilometer, weswegen wir nach dem Aufstehen auch erstmal noch eine kleine Wanderung auf einen Hügel bei Wanaka einlegen. Gut um ein bisschen Bewegung in die alten Gelenke zu bringen bieten sich oben wieder fantastische Aussichten über beide Seen, die Wanaka umschließen.

Nach dem Abstieg dann also auf ins Auto und ab nach Queenstown – in meinem Kopf eine schöne Kleinstadt mit 100.000 Einwohnern oder so. Soviel wie ich davon schon gehört habe MUSS das einfach groß sein.
Pustekuchen, während wir in Queenstown einlaufen liest Felix mir aus seinem Reiseführer vor, dass etwa 11.000 Einwohner dort leben. Trotzdem bietet das Dörfchen einen unglaublichen Charme, direkt am See gelegen und von Bergen umgeben ist im Stadtzentrum wahnsinnig viel los und überall genießen Einwohner, Touristen und Backpacker die warme Herbstsonne.

Nach einer Pizza und dem einchecken im örtlichen Base Backpackers schauen wir uns ein wenig um und merken schnell, warum Queenstown als Adrenalinhauptstadt gepriesen wird: Überall springen einem die Werbeposter für diverse Actionangebote quasi ins Gesicht. Egal ob Bungy, Jetboat, Swing, Canyoning – für alle ist etwas geboten. Die folgenden Stunden überlegen wir was wir davon ausprobieren sollen, für mich fällt die Entscheidung aber relativ schnell auf den Bungy – als Bungyjungfrau ist ein 134m Anfang schließlich das Beste was man machen kann oder? 🙂

Abends geht es dann auf zum feiern – so richtig Stimmung kommt aber komischerweise nirgends auf. Die Bars sind alle nur halb voll (wenn überhaupt). Vielleicht habe ich mir da einfach zuviel erwartet aber trotz eines lustigen Abends war ich hier etwas enttäuscht aber es gibt ja immernoch den Samstag – sowohl in Auckland als auch Wellington immer ein Garant für rammelvolle Bars.

Tag 13: Fuck fuck fuck fuck fuck…

AJHB_AJHN_2014_03_22_C2050_2858Ein neuer Tag ein neues Highlight. Pünktlich finden wir uns bei AJHackett für das Shuttle zur Bungylocation ein. Wir werden gewogen (oh mein Gott, Dominos und Whittakers, was habt ihr mit mir angestellt?!), bekommen ein paar Infos und warten dann auf den Bus. Die Fahrt selbst dauert etwa 35 Minuten und gibt schon mal einen ersten Eindruck für das spätere Adrenalinlevel während wir eine Schotterpiste hinauf fahren, die etwa 4cm breiter ist als der Bus und an einer Seite gut 30 Meter in die Tiefe geht.
Am Ziel angekommen geht es nochmal schnell aufs Klo (interessant, wieviele Leute vor so einem Event nochmal dringend pinkeln müssen :)) und schon werden wir in den Harnisch geschnallt, nochmal gewogen und Richtung Plattform gebeten. Das kribbelige Gefühl wird mehr und mehr während wir mit einer Art Gondel zur Sprungplattform gekarrt werden.

AJHB_AJHN_2014_03_22_C2050_2861Nach und nach werden die Sprünge abgehandelt. Felix und ich nehmen unsere Sprünge mit der GoPro und Brustgurt auf. Während ich in einer Art Gynäkologenstuhl ans Bungyseil gehängt werde lässt die Aufregung interessanterweise ein wenig nach und während ich zum Sprungpunkt hopple steigt die Vorfreude. Auch hier wieder wie beim Skydive einmal Lächeln fürs Foto, dann heißt es „3 2 1 GO“ und mit einem großen Köpfer (wie mehrfach von den Instruktoren eingeschärft) geht es nach draußen.
Für den Bruchteil einer Sekunde denke ich mir Was zum Teufel mach ich hier? doch dann übernimmt ein Gefühl der Freiheit und des Fliegens für die restlichen gut sechs Sekunden freien Falls. Als sich das Seil spannt werde ich langsamer und langsamer bevor ich wieder ein gutes Stück nach oben gezogen werde und mich bereit für Fall Nummer zwei mache.
Beim zweiten Mal oben ankommen befreie ich meine Füße aus dem Seil und genieße die malerische Aussicht während ich wieder hoch zur Plattform gezogen werde.

Genau wie der Skydive ein absolutes Highlight und unglaubliches Erlebnis. Leider viel kürzer als der Skydive gefällt mir hier besonders gut, dass man selbst springen muss und nicht quasi geschubst wird.

Im Bus bekommen wir von einem äußerst coolen Holländer auf der Rückfahrt noch ein paar Tipps für Queenstown – unter anderem Frisbeegolf. Im Stadtpark gibt es einen permanenten Kurs bei dem man sich auch die Discs ausleihen kann, was wir dann nachmittags direkt ausprobieren und es macht einen Höllenspaß. Definitiv ein neues Hobby das ich auch in Deutschland öfter mal verfolgen werde.

Abends probieren wir die Sache mit der Party zum zweiten Mal, doch auch hier ist es nicht allzuviel besser. Etwas mehr ist los und es ist wieder ein lustiger Abend kann aber mit Auckland und erst recht Wellington nicht mithalten.

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Tag 14: Are you fucking kidding me?

Da für heute eine neue Wanderung auf dem Plan steht (der Ben Lomond Track, den uns der Holländer am Tag davor empfohlen hat) klingelt pünktlich um neun Uhr der Wecker. Es ist einer dieser Momente, in denen man einen festen Plan hat und auch knapp 5 Stunden Schlaf einen nicht davon abhalten können, nochmal 45 Minuten zu schlafen!

DSC04249Gegen zehn quälen wir uns also aus dem Bett, machen uns fertig und bewegen uns schlaftrunken aus dem Hostel. Der ursprüngliche Plan sah vor, den kompletten Weg von unten bis oben zu laufen. Nach reiflichen zwölf Sekunden überlegen entscheiden wir uns allerdings, den ersten Weg mit der Gondel abzukürzen und uns ein Kombiticket mit der Luge zu kaufen (lustige Karts mit denen man den Berg runterrauscht – dazu später mehr).
Beim Einsteigen in die Gondel werden Fotos von einem geschossen, die man später kaufen kann – scheint hier wirklich was besonderes zu sein. Ich fühle mich wie in einer Achterbahn aber nein, es ist nur eine langweilige Gondelfahrt den Hügel hoch.

DSC04205Oben angekommen machen wir uns auf den Weg, merken aber schnell dass uns die Nacht in den Knochen steckt und keuchen Stück für Stück die leichte Steigung durch den Wald hoch. Als sich die Landschaft öffnen sehen wir rechts einen Gipfel hinter einem Hügel (unser Ziel) und links einen wesentlich steileren Berggipfel weiter oben. Im Scherz meint Felix noch Gehen wir doch einfach dort hoch!. Ja klar…

Eine Stunde und ein kleines Frühstück später stehen wir vor einem Schild das uns auf den Boden der Realität (oder eher den Gipfel) zurückholt: Ben Lomond – Links. Nachdem wir kurz ernsthaft überlegen, einfach umzudrehen, machen wir uns doch an den Aufstieg, einen Fuß vor den anderen. Es fühlt sich an wie eine Ewigkeit aber irgendwann sind wir oben und wieder einmal war es die Mühe für den Ausblick wert – absolut atemberaubend.

Den Abstieg machen wir im Laufschritt und sind nach einer knappen Stunde auch schon wieder an der Gondelbergstation wo wir uns dann in die Luge-Karts setzen.

Das Prinzip ist simpel, man sitzt in einem kleinen Kart und hat vor sich den Lenkerhebel. Zieht man ihn zurück bremst man, ansonsten gehts eine von zwei Strecken bergab. Nicht die spannendste Beschäftigung auf der Welt aber durchaus spaßige zwei Runden.

Eine weitere Gondelfahrt und eine Dusche später gönnen wir uns zum Abschied aus Queenstown abends noch einen Big Al bei Fergburger – dem wohl berühmtesten Burgerladen Neuseelands. Falls du die How I Met Your Mother Folge mit der Suche nach Marshalls perfektem Burger kennst weißt du nun in etwa, wie unglaublich gut diese Burger schmecken! 🙂

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Tag 15 – 18: Nach Queenstown nur noch Leere

Die restlichen Tage fasse ich hier unter einem Punkt zusammen da eine Kombination aus dem schlimmsten Muskelkater den du dir vorstellen kannst, schlechtem Wetter und einem kaputten Kameraobjektiv machen diese Tage relativ eintönig. Die Landschaft an der Südküste ist auch nicht sonderlich spektakulär weswegen wir hauptsächlich am fahren sind, da wir ja nach Christchurch – wo wir den Campervan wieder abgeben – gute 800km vor uns haben. Zwischendurch halten wir hier und da in diversen Städten an und statten den örtlichen Kinos Besuche ab.

Insgesamt ist die Südinsel ein unglaubliches Sammelsurium an Landschaften – Vulkane, Gletscher, Urwald, Sandstrände – alles. Bei schönem Wetter wird man hier große Probleme bekommen, die Kinnlade hochzuklappen, da sie einem einfach alle paar Minuten runterfällt.

Insgesamt waren diese knapp 2,5 Wochen einer der besten Urlaube die ich je hatte!

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